Neurofeedback

Was ist Neurofeedback?

Neurofeedback ist eine wissenschaftlich anerkannte, computergestützte Trainings- und Behandlungsmethode zur Verbesserung der Selbstregulationsfähigkeit des Gehirns. Sie wurde in den letzten Jahren entwickelt und wird zunehmend wissenschaftlich evaluiert. Die Anwendungsmöglichkeiten reichen von der Stressbewältigung und Leistungssteigerung, bis hin zur Behandlung bestimmter psychischer Störungen und körperlicher Erkrankungen.

Was soll durch Neurofeedback erreicht werden?

Ziel des Neurofeedbacks ist es, die Selbstregulationsfähigkeit des Gehirns zu verbessern und Fehlregulationen zu korrigieren. Ist eine Fehlregulation vorhanden, werden bestimmte Hirnbereiche zu viel oder zu wenig, oder zum falschen Zeitpunkt aktiviert. Dadurch können verschiedene Symptome und Beschwerden auftreten und die Leistungsfähigkeit wird reduziert.

Warum ist eine gute Selbstregulation so wichtig? Menschen die eine gute Selbstregulationsfähigkeit haben, können sich flexibel und möglichst optimal auf die jeweilige Situation einstellen: In entspannten Situationen können Sie gut entspannen, in fordernden Situationen bringen sie die notwendige Aufmerksamkeit und Leistungsfähigkeit auf.

Für welche Problembereiche und Störungen ist Neurofeedback geeignet?

Neurofeedback kann in verschiedenen Bereichen ergänzend zu anderen Therapieverfahren oder in manchen Fällen als alleinige Methode angewendet werden.
Derzeit wird das Neurofeedback unter anderem bei folgenden Störungsbildern und Problembereichen eingesetzt, wobei die wissenschaftliche Datenlage je nach Störung recht unterschiedlich ist:

  • Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS)
  • Epilepsie
  • Schlafstörungen
  • Panik- und Angstattacken
  • Depressionen
  • Schmerzstörungen (insb. Kopfschmerzen und Migräne)
  • Tinnitus
  • Posttraumatische Belastungsstörung

Darüber hinaus wird das Neurofeedback zur Stressbewältigung und Leistungsoptimierung („Peak Performance Training“) angewendet.

Um die situationsgerechte Flexibilität der Hirnaktivität zu verbessern, wird beim Neurofeedback die eigene Gehirnaktivität für den Patienten in Echtzeit wahrnehmbar gemacht – ein Prozess der normalerweise nicht erkennbar ist.

Ermöglicht wird dies durch das Verfahren der Elektroenzephalografie (EEG) – eine Standardmethoden in der Neurologie. Im EEG werden die rhythmischen Spannungsschwankungen der Hirnstromaktivitäten in Form von Wellen (Frequenzbänder) grafisch dargestellt. Diese EEG-Signale werden durch das Neurofeedbackgerät und mit Hilfe einer Trainingsoftware in eine Videoanimation umgesetzt (ähnlich wie in Computerspielen). Die Software steuert die Qualität des Bildes oder des Tones derart, dass sie erst dann ein bestimmtes Ergebnis erreicht (zum Beispiel ein heller werdendes Bild oder ein lauter werdender Ton), wenn ein angezielter Frequenzbereich der Hirnaktivität erreicht wird (= Feedback).

Für das menschliche Gehirn wirkt dieses Feedback als Belohnung, ein Zustand den unser Gehirn möglichst oft erreichen möchte. Beim Neurofeedbacktraining versucht das Gehirn die im Feedback enthaltenenen Muster zu erkennen und verstehen, um dadurch belohnt zu werden. Durch diese „Spiegelung der eigenen Aktivität“ kann das Gehirn „ganz von alleine“ lernen, die Hirnaktivität in zukünftigen Situationen besser zu regulieren. Dieser Prozess läuft vollkommen unbewusst ab. Der Patient soll dabei nicht versuchen, bewusst einen bestimmten Effekt zu erreichen, sondern lediglich das Geschehen aufmerksam zu beobachten.

Beim Neurofeedback-Training gibt es verschiedene Methoden, die sich vor allem darin unterscheiden, ob eine Vorgehensweise mehr oder minder unverändert für alle Patienten verwendet wird, oder ob das Verfahren für jeden Einzelfall spezifisch angepasst wird.

Im Zentrum für Psychotherapie Wiesbaden verwenden wir im Regelfall das sogenannte Infra Low Frequency-Training (ILF-Training), ein individuell angepasstes Neurofeedback-Training, um unseren Patienten die für sie persönlich am besten geeignete Therapie anbieten zu können.

Das ILF-Training arbeitet in den niedrigen Frequenzbereichen (Infra Low Frequency) der Hirnstromaktivitäten. Das Verfahren ist recht anspruchsvoll, weil durch eine fortlaufende Anpassung des Trainings angestrebt wird, die individuelle Frequenz (Belohnungsfrequenz) zu identifizieren, bei der sich vorhandene Syptome bessern oder ein gewünschtes Leistungsniveau erreicht wird.

Diese Optimierung der Belohnungsfrequenz kann man sich vorstellen, wie das Anpassen der Sehstärke einer Brille, bei der verschiedene Glasstärken vorgegeben werden und der Effekt erfragt wird: Beim ILF-Training werden nacheinander bestimmte Zielfrequenzen am Neurofeedbackgerät eingestellt. Sobald sich die Gehirnaktivität durch das Videofeedback auf die Zielfrequenz eingestellt hat, wird die Wirkung beim Patienten erfragt und beobachtet. Dabei lassen sich häufig recht schnelle Zustandsänderungen – zum Beispiel im Aufmerksamkeitsgrad oder der Stimmungslage – feststellen. Diese Änderungen müssen vom Therapeuten richtig interpretiert werden, um schließlich die geeignete Belohnungsfrequenz zu finden. Sobald die optimale Belohnungsfrequenz identifiziert wurde, findet das weitere Training mit diesen Voreinstellungen statt.
Im Behandlungsverlauf wird es meistens notwendig sein, diese Frequenz immer wieder neu zu identifizieren und anzupassen, um durchgängig eine optimale Wirkung zu erreichen.

Diagnostik und Indikationsstellung

Auch wenn Neurofeedback eine gut verträgliche Methode ist, sollte sie nicht eingesetzt werden, wenn die Erfolgsaussichten unzureichend sind. Es ist auch wichtig zu prüfen, ob eine andere Methode bei der  jeweiligen Störung oder Problematik eine bessere Erfolgsaussicht hat.

Aus diesem Grunde prüfen wir in unserem Zentrum zunächst im Rahmen unserer üblichen Diagnostik, ob und wenn ja welche Störung vorliegt (die Vorgehensweise ist »hier beschrieben). Anschließend werden die Therapieoptionen nach dem wissenschaftlichen Erkenntnisstand überprüft und mit den Patienten und Patientinnen besprochen.

Erst wenn sich herausstellt, dass ein Neurofeedback-Training aus fachlicher Sicht empfohlen werden kann, bieten wir dieses als Therapieoption an.

Die erste Neurofeedback-Sitzung (Anamnese und Ermittlung der individuellen Belohnungsfrequenz)

Am Beginn jeder Neurofeedback-Therapie steht das Anamnesegespräch (Dauer: ca. 1,5 Stunden), in dem eine ausführliche und sorgfältige Anamnese erhoben wird und der Patient die Möglichkeit hat, seine Krankheitsgeschichte, Symptome und Behandlungsziele zu schildern. Zudem werden im Erstgespräch die Problembereiche erhoben, die für die Elektrodenplatzierung wichtig sind.

Konnte so die Startplatzierung für die Elektroden ermittelt werden, wird direkt begonnen mit dem EEG zu arbeiten, um die individuelle Belohnungsfrequenz gemeinsam mit dem Patienten zu bestimmen. Dazu werden zunächst mehrere dreiminütige Trainingseinheiten begonnen, bei denen die Frequenz immer weiter gesenkt wird. Während dieser Trainingseinheiten hat der Patient die Aufgabe seinen Zustand gut zu beobachten und dem Therapeuten mögliche Veränderungen wie beispielsweise Symptome oder andere Zustandsveränderungen, mitzuteilen. Anhand dieser Rückmeldung passt der Therapeut die Frequenz so lange an, bis der Patient einen Rückgang seiner Ausgangssymptome oder einen angenehmen Zustand rückmeldet. Mit dieser Frequenz wird dann in den folgenden Neurofeedback-Trainingssitzungen beginnend gearbeitet.

Die Neurofeedback-Therapie

In den darauffolgenden Sitzungen (ca. 45 Minuten je Sitzung) wird das eigentliche Neurofeedback-Training durchgeführt. Dazu werden dem Patienten die Elektroden am Kopf angebracht und mittels EEG die Hirnaktivität mit der Trainingssoftware verbunden. Der Patient sitzt dabei vor einem Bildschirm auf dem die ausgewählte Computeranimation zur Visualisierung des Feedbacks abgespielt wird. Während des Trainings fokussiert sich der Patient auf diese Animation und beobachtet sie ohne dabei ein bestimmtes Ziel zu verfolgen (ähnlich einer Achtsamkeitsübung). Zudem ist es wichtig, dass der Patient auch während des Trainings seinen Zustand beobachtet.

In etwas größeren Abständen als bei der ersten Sitzung tauschen sich Therapeut und Patient über dessen Befinden aus, sodass Anpassungen vorgenommen werden können. So ist es zu jeder Zeit möglich das Training zu unterbrechen, um Trainingsfrequenz, Elektrodenplatzierungen oder Computeranimation zu verändern. Treten erste Verbesserungen der Ausgangssymptomatik auf, können weitere Problembereiche in das Training integriert werden. Die Abstände zwischen den einzelnen Neurofeedback-Sitzungen werden für jeden Patienten individuell – auch unter Berücksichtigung des Therapieverlaufs – bestimmt.
Bleiben die erreichte Linderung der Symptome und die erreichten Ziele über größere Zeitabstände stabil, kann die Neurofeedback-Therapie beendet werden.

Anfangsphase (ca. 8 Sitzungen): Im Verlauf der ersten 8 Sitzungen wird überprüft, ob durch das Neurofeedback-Training erste positive Effekte zu beobachten sind. Ist dies nicht der Fall, wird das Training aufgrund fehlender Erfolgsaussichten beendet. Sind erste Erfolge beobachtbar, folgt die Phase 2.

Vertiefungsphase (ca. 12 Sitzungen): Aufbauend auf die ersten Erfolge, werden in dieser Vertiefungsphase weitere ca. 12 weitere Sitzungen durchgeführt, in denen die Trainingseffekte intensiviert und stabilisiert oder weitere Problembereiche in das Training einbezogen werden. In manchen Fällen können auch mehr Sitzungen notwendig sein, um den angestrebten Effekt zu erreichen bzw. die Erfolge nachhaltig zu stabilisieren.

Je nach Einzelfall können die Sitzungen zwischen einmal wöchentlich bis täglich stattfinden.

Beim Neurofeedback-Training wird keinerlei Strom oder Spannung in das Gehirn eingebracht.

Das vollkommen schmerzfreie Verfahren zeichnet die Hirnstromaktivitäten über Elektroden auf, die ausschließlich außerhalb des Körpers auf der Kopfhaut angebracht werden. Es handelt sich demnach um eine „nicht-invasive“ Methode, da sie nicht in den Körper eingreift.

Dementsprechend sich schwerwiegende Nebenwirkungen nicht bekannt. Es kann jedoch – insbesondere in den ersten Sitzungen – zu einer kurzfristigen Verstärkung der Ausgangssymptomatik sowie zu Kopfschmerzen, Benommenheit, Nervosität, leichte Übelkeit, Schlafstörungen oder andere meist geringgradigen Symptomen kommen. Solche Nebenwirkungen klingen in den meisten Fällen entweder bereits während der Trainingssitzung oder nach wenigen Stunden ab. Außerdem können bei bestehenden Allergien auf einen Inhaltsstoff der Elektrodenpaste Hautreizungen auftreten.

Honorar für das Erstgespräch zur allgemeinen Diagnostik und Prüfung der Indikationsstellung

  • Privat- und Beihilfeversicherte: Die Kosten für die Diagnostik und Indikationsstellung werden nach der Gebührenordung für Psychotherapeuten (GOP) abgerechnet. Die folgenden Leistungen werden dabei im Regelfall zugrunde gelegt: Probatorische Sitzung (GOP: 870), biographische Anamnese (GOP: 860), Fragebögenauswertung (GOP: 857) und ggf. Befundbericht (GOP: 75 plus Porto). Im Normalfall werden die Honorare  hierfür vollständig übernommen. Im Zweifelsfall  fragen Sie bitte vorher bei Ihrer Versicherung/Beihilfe nach.
  • Selbstzahler: 155,00€ für mind. 50 Minuten; ggf. Gebühren für die Auswertung von Fragebogenuntersuchungen: 16,90€; ggf. Befundbericht: 17,43€ und Portobühren

Honorar für Neurofeedback (als Einzelleistung außerhalb einer Verhaltenstherapie)

  • Anamnesegespräch und Ermittlung der individuellen Belohnungsfrequenz (90 Minuten): 180€
  • Jede weitere Neurofeedback-Sitzung (a 45 Minuten): 100 €.

Kostenübernahme des Neurofeedback durch Krankenkassen und -versicherungen

Die Kostenübernahme für Neurofeedback durch gesetzliche Krankenkassen und private Krankenversicherungen ist möglich, wenn Neurofeedback im Rahmen einer vom Kostenträger bewilligten Verhaltenstherapie durchgeführt wird. In diesem Fall gilt das für die Verhaltenstherapiesitzungen vereinbarte Honorar.